
Der Heimatverein Rhade hat sich die Aufgabe gestellt, die Geschichte unseres Ortes in einzelnen wohlvorbereiteten und bedachten Schritten unseren Einwohnern näher zu bringen, insbesondere den Kindern und der heranwachsenden Jugend, um deren Bindung an diesen Ort und seine reizvolle landschaftliche Umgebung zu verstärken.
So wissen sie, dass wir bisher mit der gleichen Absicht immer wieder Wanderungen und Führungen veranstalten oder damit begonnen haben, überall Hinweisschilder aufzustellen, wo bedeutsame Denkmäler oder Bodendenkmäler vorhanden sind.
Die oben abgebildete Bronzetafel am Kirchturm unserer mehr als 500-jährigen Pfarrgemeinde soll die Aufmerksamkeit unserer Mitbürger auf ein Gebäude richten, das nicht nur neben der Wassermühle das älteste Baudenkmal unseres Ortes ist, sondern als Haus Gottes in Freud und Leid ein Ort des Trostes und der Danksagung – ein Ort der über Jahrhunderte Gemeinschaft gestiftet hat und heute noch für viele Inbegriff von Heimatgefühlen ist.
Einiges zu den geschichtlichen Daten der Bronzetafel:
14. Jahrhundert
Zu diesem Zeitpunkt dürfen wir, da Rhade erstmalig urkundlich erwähnt wird, vom Bestehen einer St. Urbanuskapelle ausgehen. Pfarrrechtlich wurde unser Dorf damals
noch der Lembecker St. Laurentiusgemeinde zugezählt.
Archivhinweise des 16. Jahrhunderts,
wonach es in Rhade ursprünglich eine den Apostelfürsten Petrus und Paulus und Sankt Bonifatius geweihte Kapelle gab, lassen auf ein noch höheres
Alter dieses ältesten gottesdienstlichen Bauwerkes schliessen.
1489
ist ein weiteres wichtiges Datum, denn in diesem Jahr wurde St. Urbanus eine von Lembeck unabhängige katholische Pfarrgemeinde, deren Existenz nur etwas mehr als ein halbes
Jahrhundert dauerte, denn die von Martin Luther ausgehende neue Lehre hatte auch die Herrlichkeit Lembeck erreicht und wurde.
1588
von Graf Bernhard von Westerholt, damals Herr zu Lembeck, eingeführt. Die Rhader Kirchenräte (heute sagen wir Kirchenvorstände) müssen mit diesem Wandel unruhige
Zeiten erahnt haben, denn sie errichteten
1560
diesen schweren, massiven Turm, zunächst 7 – 8 m vor dem Kirchenschiff der bestehenden Kapelle, um das Bauwerk als Zufluchtstätte für die Dorfbewohner und
als Verteidigungsstätte zu nutzen. Das erwies sich
1598
als gute Vorsorge, denn um diese Zeit zogen ständig plündernde und Mord und Totschlag nicht scheuende Truppenteile einer in Deuten und bei Raesfeld lagernden spanischen Heeresmacht
durch unser Gebiet. In diesem Jahr geschah es dann auch, dass Turm und Kirchenschiff mit den dort Zuflucht suchenden Rhader Einwohnern erstürmt wurden. Der Chronist, Lembecks Grundherr
Bernhard von Westerholt, berichtete, dass unsere Kirche dabei zum Folterkeller wurde, wobei es wenige Überlebende gab.
1621
ein Vierteljahrhundert nach diesen Ereignissen, die Urbanuskirche und das Dorf waren noch immer durch die Kriegsereignisse gezeichnet und in einem teils verwahrlosten Zustand, wurde wieder
der katholische Glaube eingeführt. Erster als katholisch anzusprechender Pfarrer war ab 1625
Heinrich Kortendiek. – Die nachfolgende Zeit verlief für unser Dorf nicht mehr so dramatisch, selbst der 30-jährige Krieg nicht, was wohl dem Umstand zu
verdanken ist, dass Rhade zu drei Viertel von fast unzugänglichen Mooren umgeben und nur über weniges höher gelegenes Gelände zugänglich war.
– Dennoch, die von durchziehendem französischen, russischen und preussischem Militär erzwungenen Abgaben liessen keinen Wohlstand aufkommen.
1839 – 41
nach der napoleonischen Zeit kam ein Aufatmen. Mit der Zustimmung des Kirchenpatrons in der Person des Grafen von Lembeck, konnte das gotische Kirchenschiff
abgebrochen und durch die heutige noch vorhandene dreischiffige Hallenkirche ersetzt werden.
1951 – 53
nach dem zweiten Weltkrieg wurde diese dreischiffige Hallenkirche erweitert, in dem das Chor bis zur heutigen Debbingstraße vorgebaut wurde.
1996 – 98
war unsere St. Urbanusgemeinde imstande ihr Gotteshaus im Turmbereich mit einer neuen Orgelbühne und einer neuen Orgel zu versehen.Wir, der Heimatverein, sind froh
und dankbar, dass die St. Urbanusgemeinde alles tut, dieses Gotteshaus in würdiger Form zu erhalten und künftigen Generationen zur Verfügung zu stellen.
Denn nach dem Willen dieser Gemeinde soll das Gotteshaus bei Festen und besonderen Gelegenheiten auch eine Stätte sein, wo Begegnungen mit Mitbürgern
anderer Glaubensrichtungen, mit ausländischen Besuchern und Gästen und mit das Gemeindeleben prägenden Vereinen
und Organisationen stattfinden können. Und, nicht zu vergessen: Hier, rings um unsere St. Urbanuskirche ist der Platz,
wo über mehr als ein halbes Jahrtausend unsere Rhader Vorfahren bestattet wurden. Hier liegen Pfarrer, Lehrer und Familien,
die in Kriegen und Zeiten der Verfolgung ihr Leben lassen mussten. Die verantwortlich für uns den Weg in das Hier und
Heute gebahnt haben. Zeigen wir Dankbarkeit, pflegen und erhalten wir diesen Ort! Solche Plätze geben Gelegenheit zum Ausruhen und zur Besinnung.
Auszug aus der Chronik des Amtsbürgermeisters Franz Brunn in der Entwurfsfassung von 1842
"Die Gemeinde Rhade, welche nördlich an die Gemeinden Marbeck und Heiden, östlich an die Gemeinden Lembeck und Wulfen und westlich an die Gemeinden Altschermbeck und Erle grenzt, hat besonders nach der südlichen Seite hin sehr viele sumpfige Grasgründe, Torfbrüche, einigen guten sandigen Ackerboden; nach der nordöstlichen Seite eine kleine Erhöhung, welche aus losem Sand mit einer Sandwehe besteht. Der Untergrund ist in guter Kultur.
Mit der Kultivierung des Heidebodens ist man fleißig beschäftigt, nachdem die Gemeinheit geteilt worden ist. Die Wiesen, obschon einzelne in guter Kultur sind, lassen noch eine große Verbesserung zu, der aber die nicht überall ökonomische Verteilung der Gründe und der willkürliche Gebrauch des Wassers hemmend entgegen wirkt.
Waldungen sind fast gar nicht vorhanden, desto mehr Torf aber. Die Sandsteine sind zu Bausteinen nicht sehr geignet; doch sind im Jahre 1838 zum Rhader Kirchbau etwa 30 Schachtruthen mit Vorteil verwendet und bei Wullweber gebrochen worden. Die Gemeinde wird von vielen kleinen Bächen durchschnitten und zwarn, dem Erlerbach, der sich in der Gegend von Tüshaus in den Heßlingsbach ergießt; der Heßlingsbach, der in der Gemeinde Heiden entspringt und in der Gemeinde Wulfen mündet; der Elvenbach, der in der Gemeinde Lembeck entspringt, die Rhader Mühle/Ellefahrt-Mühle (eine Kornmühle von zwei Mahlgängen, welche durch zwei oberschlächtige Räder in Bewegung gesetzt werden) betreibt und sodann in Wulfen ausmündet.
Text anlässlich der Vorstellung und Übergabe der Bronzetafel am Rhader Kirchturm im September 1999.
Die Arealgröße beträgt:
- Ackerland 1212 Morgen
- Wiesen 525 Mg
- Waldungen 65 Mg
- Strauchholz 47 Mg
- Gärten 68 Mg
- Huden 253 Mg
- Weiden 212 Mg
- gemeinheitliche Heiden 1847 Mg
- private Heiden 80 Mg
- Gebäudefläche und Höfe 36 Mg
- Wege 155 Mg
- Bäche und Teiche 24 Mg
- überhaupt 4530 Mg
darunter die im Jahre 1827 geteilte Gemeinheit mit 2 186 Morgen. Dieses Grundgebiet ist mit wenigen Ausnahmen Eigentum der Colonen, welche aber nach dem Hause Lembeck größtenteils pacht- und dienstpflichtig sind.
Das Dorf Rhade mit der Kirche und Schule und den umliegenden Gehöften bildet ein Ganzes und wird nicht weiter abgeteilt. Es hat Verbindungsweg mit Erle, Dorsten, Schermbeck, Wulfen, Lembeck, Borken und Heiden, durchweg Sandwege, die mit festen Brüchen und Durchlässen überall, wo es erforderlich ist, versehen sind, obschon die Wege noch sehr reperaturbedürftig sind.
